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Know-how-Transfer: Das Spaltenzentrum Bischkek

Seit 2003 operiert ein deutsches Chirurgenteam erfolgreich Kinder miit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten in Bischkek. Inzwischen sind die kirgisischen Kollegen weitergebildet worden und arbeiten mit den deutschen Ärzten auf Augenhöhe.

Hunderte von betroffenen kirgisischen Kindern profitieren inzwischen von dem Hilfsprojekt der Stiftung Zuversicht für Kinder. Ihre Familien sind überglücklich.

Die zentralasiatische Republik Kirgistan ist nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in ihrem Übergang zur Marktwirtschaft nach wie vor dringend auf internationale Hilfe angewiesen. Angesichts der geringen Wirtschaftskraft leben noch 34 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Darunter leiden ganz besonders die Kinder.

Die deutsche Stiftung Zuversicht für Kinder arbeitet auf Initiative ihres früheren Kuratoriums-Mitgliedes Dr. Ernst Albrecht (der bis 2005 den ehemaligen kirgisischen Präsidenten Akajev beriet) bereits seit vielen Jahren vor Ort und kümmerte sich in verschiedenen Bereichen um bedürftige Kinder (zuckerkranke Kinder, Waisen, Aidsaufklärung, Straßenkinder). Sie arbeitete dabei bisher eng mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vor Ort in der Hauptstadt Bischkek zusammen. Dabei entwickelte sich der Aufbau eines interdisziplinären Behandlungszentrums für Kinder mit Gesichtsfehlbildungen zu einem zentralen Anliegen.

 

Zwischenzeitlich war unser Ärzteteam mehrfach vor Ort und hat im Nationalen Kinderkrankenhaus in der Hauptstadt Bischkek Kinder mit Gesichtsfehlbildungen chirurgisch rehabilitiert. In Absprache mit örtlichen Ärzten und Regierungsvertretern wurde unter der medizinischen Leitung von Prof. Dr. Dr. Jarg-Erich Hausamen ein interdisziplinäres Behandlungszentrum aufgebaut, das auch die kieferorthopädische und phoniatrische/pädaudiologische Behandlung im Gefolge der operativen Rehabilitierung vorsieht.

Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG-Spalten) sind eine Gruppe von recht häufigen, angeborenen Fehlbildungen beim Menschen. Ihnen ist gemeinsam, dass sich in der Embryonalentwicklung Teile der Mundpartie nicht normal entwickeln. Umgangssprachlich werden sie diskriminierend oft als "Hasenscharte" (nach dem charakteristischen Spalt in der Oberlippe) oder in der schweren Form als „Wolfsrachen“ (schwere anatomische Beeinträchtigung durch Spaltung des Oberkiefer-, Zahn- und Gesichtsskelettes) bezeichnet.

Die vollständige Rehabilitation von Kindern mit LKG-Spalten erfordert nicht nur einen kompletten anatomischen und funktionellen Verschluss der Spaltbildung durch einen operativen Eingriff, sondern auch den Einsatz verschiedener konservativer Behandlungsmaßnahmen. Nur durch eine solche kombinierte Therapie, die eine Langzeitbehandlung von der Geburt bis ins frühe Erwachsenenalter bedingt, sind dauerhafte funktionelle Störungen, wie Sprachprobleme, Schwerhörigkeit als Folge der ungenügenden Ventilation des Mittelohres, Gebissfehlstellungen und Probleme der Nahrungsaufnahme durch Restperforationen im Gaumen, zu vermeiden. Eine solche umfassende Behandlung kann erfahrungsgemäß nur durch ein interdisziplinäres Behandlungsteam in einem Behandlungszentrum erreicht werden. Das ideale Kernbehandlungsteam setzt sich somit aus Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Kieferorthopäden und Phoniatern/Pädaudiologen zusammen.

 

Unser Team (v.l.): Prof. Dr. Dr. Jarg-Erich Hausamen, Marianne Campiche, Dr. Dr. Wiebke Schupp, Dr. Brigitte Winkler, Dr. Christopher Eulzer und Hans Berten.

In Kirgistan (rd. 5 Mio. Einwohner) gibt es pro Jahr ca. 250 - 300 Neuerkrankungen, also Kinder, die mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten geboren werden. Diese Kinder müssen alle bis ins Erwachsenenalter versorgt werden. D.h. innerhalb der nächsten zehn Jahre werden rd. 2.500 Kinder und Jugendliche von dem Spaltenzentrum profitieren. Diese Kinder sollen durch das neu erworbene Know-how der einheimischen Chirurgen und Anästhesisten und die Etablierung einer Kieferorthopädie und einer Phoniatrie / Pädaudiologie vor einer dauerhaften schweren Behinderung bewahrt werden. Denn sie sollen nicht nur von einer schweren Entstellung befreit werden, sondern auch normal essen, hören, atmen und sprechen lernen.

Das Projekt konnte 2013 sein 10-jähriges Bestehen feiern. Alle wichtigen Informationen zum Projekt können Sie hier nachlesen:

 

Download: Kirgistan Broschüre (pdf 2.6 MB | 01.09.2015)

Mit dem interdisziplinären Projekt wurde erstmals eine kieferorthopädische Abteilung in der Nationalen Kinderklinik in Bischkek eingerichtet. Hier werden kirgisische Kollegen fortgebildet.

Auch die Logopädie ist ein neues Feld in der interdisziplinären Behandlung der Spaltkinder. An diese Disziplin sind die kirgischen Kollegen ebenfalls herangeführt worden.

Dr. Altynbek Mamyraliev (rechts) freut sich: Er kann die kleinen Patienten inzwischen selbst chirurgisch rehabilitieren.  

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