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Stiftung Zuversicht für Kinder startet mit Hydrocephalus-Projekt in Kirgistan:

Professor Samii eröffnet neurochirurgischen OP in der Nationalen Kinderklinik

Gemeinsam mit kirgisischen Kollegen weihen Prof. Dr. Madjid Samii und Kuratoriums-Mitglied Sonja Quandt-Wolf den brandneuen OP für die Pädiatrische Neurochirurgie in Bischkek ein. Auch der deutsche Botschafter Dr. Peter Rudolf Scholz (rechts) ist stolz auf diese Einrichtung, von der die betroffenen Kinder des ganzen Landes profitieren werden.

Es ist der erste seiner Art in ganz Kirgistan: Am 6. Juni 2016 weihte der weltweit führende Neurochirurg Professor Dr. Madjid Samii (Präsident des International Neuroscience Institute INI Hannover) den von der Stiftung Zuversicht für Kinder gebauten und auf europäischem Niveau ausgestatteten Operationssaal für die neurochirurgische Behandlung von Kindern ein. Professor Samii ist Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung und brachte ein internationales Team führender Kinder-Neurochirurgen mit in die kirgisische Hauptstadt Bischkek, die in den Folgetagen erfolgreich die ersten Operationen von Kindern mit Hydrocephalus („Wasserkopf“) in dem neuen Operationssaal durchführten.

Der Hydrocephalus ist weltweit eine der häufigsten neurologischen Fehlbildungen bei Säuglingen und Kindern. Rd. 80% davon werden in Ländern mit eingeschränktem oder ohne Zugang zu adäquater neurochirurgischer Versorgung geboren. Unbehandelt, zusätzlich zu Schmerzen und Leiden, führt Säuglings-Hydrocephalus zu erheblichen Hirnschäden, schwerer Entwicklungsverzögerung, Blindheit. 90 Prozent der unbehandelten Hydrocephalus-Kinder erleidet irreversible neurologische Defizite oder einen frühen Tod. In den seltenen Fällen, in denen ein betroffenes Kind überlebt, führen neurologische Defizite und das entstellten Aussehen aufgrund des ungewöhnlich vergrößerten Kopfumfangs zu sozialer Isolation. Diesen Kindern will die Stiftung Zuversicht für Kinder jetzt helfen.

Erfahren Sie hier weitere Einzelheiten über unser neues Projekt und wie Sie schon mit kleinen Spenden helfen können.

Warum will sich die Stiftung Zuversicht für Hydrocephalus-Kinder engagieren?

Experten schätzen, dass jährlich 400.000 neugeborene Kinder weltweit an Hydrocephalus leiden. Gemeinsame Anstrengungen sind notwendig, um Forschung, Aufklärung, Ausstattung und Ausbildung zu erweitern und zu verbessern, um die Morbidität und Mortalität dieser Erkrankung deutlich zu verringern.

Nach hiesigen Maßstäben ist der Hydrocephalus von erfahrenen Neurochirurgen vergleichsweise leicht therapierbar. Die chirurgische Behandlung ist in den meisten Fällen möglich und die große Mehrheit der betroffenen Patienten zeigt post-operativ eine normale psycho-motorische Entwicklung, wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

In Transformations-, Schwellen- und Entwicklungsländern sieht die Sache anders aus: In vielen dieser Länder fehlt jegliche adäquate neurochirurgische Versorgung bzw. vorhandene neurochirurgische Einrichtungen sind für die Behandlung von Kindern unzureichend ausgestattet. Es gibt keine Möglichkeiten zur frühen Diagnosesicherung, keine gut ausgestatteten Geburtskliniken, keine spezifische medizinische Infrastruktur. Selbst wenn es ein entsprechendes Krankenhaus gäbe – in der Regel in den Hauptstädten - , könnten sich die meisten Familien nicht einmal den Weg dorthin leisten, geschweige denn die Kosten aufbringen für eine Operation oder einen Shunt (ein Katherdersystem zur Ableitung des Hirnwassers), der in gut der Hälfte der Fälle implantiert werden müsste. Hydrocephalus ist in diesen Ländern eine Armutskrankheit.

Es gibt bisher keine „major global actors“, die sich dieser Zielgruppe auf medizinischem (neurochirurgischem) Gebiet annehmen. Die Stiftung Zuversicht für Kinder will daher in Kooperation mit der World Federation of Neurosurgical Societies (WFNS) und dem International Neuroscience Institute (INI) ein weltweites flächendeckendes Aktionsprogramm zu Unterstützung der chirurgischen Behandlung von Hydrocephalus-Kindern initiieren.

 

Nach der offiziellen Einweihung des neuen neurochirurgischen Operationssaales in der Nationalen Kinderklinik Bischkek führt ein internationales Expertenteam die erste endoskopische Operation eines Hydrocephalus-Kindes durch.

 

Der Kuratoriums-Vorsitzende Professor Dr. Madjid Samii hat damit begonnen, seine internationalen Kontakte zu hochqualifizierten Neurochirurgen, seine Rolle als Ehrenpräsident der WFNS und die über deren Stiftung bereitgestellten Möglichkeiten eines vergünstigten Einkaufs von neurochirurgischem Equipment, von Ausbildungs- und Trainingsmöglichkeiten und globalem Networking zur Verfügung zu stellen. Das INI Hannover unterstützt die Stiftung Zuversicht für Kinder als Projektpartner. Als Kontaktperson und medizinischer Berater fungiert der Direktor der Klinik für Pädiatrische Neurochirurgie im INI Prof. Dr. Concezio Di Rocco. Prof. Dr. Di Rocco ist nicht nur eine international anerkannte Kapazität in der Kinder-Neurochirurgie, sondern auch Co-Chairman des Ausbildungs-Komitees der WFNS. Er wurde u.a. von dem ebenfalls führenden pädiatrischen Neurochirurgen Prof. Dr. Shizuo Oi und Dr. Wolf Lüdemann zu diesem ersten Einsatz in Bischkek begleitet.

Ausgangssituation in Bischkek/Kirgistan

Der Projekt-Einstieg ist bewusst am bewährten Standort – dem National Center for Maternity and Childhood Protection in Bischkek/Kirgistan – erfolgt. Hier wurde in den vergangenen zwölf Jahren bereits sehr erfolgreich ein interdisziplinäres Behandlungszentrum für Kinder mit Gesichtsfehlbildungen etabliert (siehe: Unsere Projekte).

Kirgistan gilt als der zweitärmste Staat innerhalb der GUS-Länder mit einer Armutsrate von 33,7 % (drei Viertel davon auf dem Lande). Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben sich die Lebensbedingungen vieler Bevölkerungsgruppen in Folge der wirtschaftlichen Entwicklung zunehmend verschlechtert. Zu den dringendsten Problemen zählen Armut, Arbeitslosigkeit und mangelnde soziale Absicherung.

Für viele Familien stellt deshalb ein schwerer Krankheitsfall eine ökonomische Katastrophe dar. Vor allem arme Bevölkerungsgruppen können entstehende Behandlungskosten nicht aufbringen und werden damit von der Gesundheitsversorgung weitgehend ausgeschlossen. Damit entsteht ein Teufelskreis aus Verarmung, schlechter Gesundheit und mangelnder wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.

Unter der schwierigen ökonomischen Situation leidet natürlich auch - trotz zwischenzeitlich eingeleiteter Reformen und der Unterstützung internationaler Geber - das Gesundheitswesen selbst: Das heutige Gesundheitssystem Kirgistans geht auf sowjetische Strukturen zurück. So wird allerorts der Verfall der baulichen und instrumentellen Infrastruktur, die veraltete Ausstattung der medizinischen Einrichtungen, der niedrige Kenntnisstand des medizinischen Personals im Bereich moderner Versorgungsmethoden immer deutlicher spürbar. Die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte (aufgrund des geringen Gehaltsniveaus) reduzierte deren Verfügbarkeit im öffentlichen Gesundheitswesen.

Es gibt keine offiziellen Statistiken über das Vorkommen von Hydrozephalus im Einzugsgebiet. Auch das WHO Country Office in Bischkek kann keine Angaben machen. Wenn man den Schlüssel von CURE zugrunde legt, muss man in Kirgistan mit rd. 400-500 neugeborenen Hydrozephalus-Kindern jährlich rechnen; hinzukommen andere Fehlbildungen des zentralen Nervensystems (Spina Bifida, Zysten, Hirn- und Rückenmarkstumore etc.) und die Fälle, die sich aus intrakraniellen Blutungen und Infektionen oder Kopfverletzungen ergeben. Laut Krankenhausdirektor Prof. Dr. Usakbaev stehen die Erkrankungen des zentralen Nervensystems an erster Stelle der frühkindlichen Pathologien in Kirgistan.

 

Die meisten Hydrocephalus-Kinder blieben bisher in Kirgistan zu lange unversorgt, da die finanziellen Mittel und die notwendige medizinische Infrastruktur fehlten. Dies wird sich jetzt ändern.

Die Nationale Kinderklinik in Bischkek ist landesweit die einzige Klinik, in der Kinder unter 13 Jahren neurochirurgisch versorgt werden können. Hier werden u.a. jährlich ca. 200-250 Hydrocephalus-Kinder vorgestellt. Es ist davon auszugehen, dass alle anderen Hydrocephalus-Kinder die potenzielle Versorgung in der Hauptstadt mangels finanzieller Mittel gar nicht erst erreichen. 85% der vorgestellten Fälle werden auf peri- und postnatale Infektionen zurückgeführt. Nur ein Bruchteil (20%) wird chirurgisch behandelt. Die Operation selbst (ausschließlich VP-Shunts = ventrikuloperitonealer Shunts) ist kostenlos, aber die Eltern mussten bisher die Shunts (welche zwischen 400 und 750 USD kosten) und Medikamente (z.B. Antibiotika) bezahlen – was sich die meisten i. d. R. nicht leisten konnten.

 

Die betroffen Eltern der Hydrocephalus-Kinder haben neue Hoffnung. Mit Hilfe der Stiftung Zuversicht für Kinder können ihre Kinder künftig adäquat versorgt werden.

Die pädiatrische Neurochirurgie der nationalen Kinderklinik in Bischkek verfügt über 25 Betten. Es gab bisher keinen eigenen OP und kein neurochirurgisches Instrumentarium. Man operierte in einem allgemeinen OP mit allgemeinchirurgischen Instrumenten, die von allen chirurgischen Abteilungen benutzt werden. Es waren keine speziellen Instrumente für Kinder vorhanden. Aufgrund des fehlenden Neuroendoskops war es insbesondere unmöglich, die neuroendoskopische Öffnung des Bodens des 3. Ventrikels durchzuführen, die heutzutage in über 40 Prozent der Fälle eine Hydrocephalus-Behandlung ohne Shunt-Anlage erlaubt. In Kirgistan wurden ausschließlich VP-Shunts gelegt. Die Ausstattung des neuen Operationssaales eröffnet neue Möglichkeiten: Prof. Concezio Di Rocco hat sich bereit erklärt, die kirgisischen Kollegen in der endoskopischen Versorgung zu schulen.

Mit Hilfe der WFNS-Foundation konnte die Stiftung Zuversicht für Kinder zu stark vergünstigten Preisen die notwendigen neurochirurgischen Instrumente und Apparate beziehen, ebenso 200 Shunt-Systeme beim indischen Hersteller Surgiwear. Diese dringend benötigten Shunts können wir für rd. EUR 40 kaufen. Angesichts der Menge, die in den kommenden Jahren gebraucht wird, sind wir hier auf jede Unterstützung angewiesen. Auch für die noch fehlende Ausstattung einer Sterilisations-Abteilung und eines Aufwachraumes sowie für die Anschaffung notwendiger Medikamente und Materialien für unsere chirurgischen Teameinsätze brauchen wir Hilfe.

Daher unsere Bitte: Werden Sie „Shunt-Pate“ und retten Sie mit einer Spende von 40 EUR ein Kinderleben! Oder unterstützen Sie uns bei der weiteren Verbesserung der medizinischen Infrastruktur.

Jeder Euro hilft!

 


Prof. Dr. Madjid Samii

Vorsitzender des Kuratoriums

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